Orkan Özdemir steht vor der Friedenauer Gemeinschaftsschule und spricht über Perspektiven

Perspektiven schaffen

 

Ich kämpfe für ein besseres und gerechtes Übergangssystem von der Schule in die Arbeitswelt. „Schule - Ausbildung - Arbeit“ - um diesen Dreiklang geht es beim Kampf um gleichberechtigte Teilhabe junger Leute im Übergang Schule-Beruf. Hier entscheidet sich, ob der Weg in ein stabiles oder prekäres Arbeitsleben führt.

Rund 4.000 Jugendliche in Berlin verlassen jedes Jahr die Schule ohne Abschluss. Ein großer Teil jedes Jahrgangs bleibt ohne Ausbildung. Überdurchschnittlich betroffen sind Jugendlichen aus Familien mit Einwanderungsgeschichte. Gleichzeitig können bis zu 5.000 Ausbildungsplätze jedes Jahr in der Region Berlin-Brandenburg nicht besetzt werden. Zum einen führt die Jugendlichen ein Scheitern in dieser Phase in eine risikoreiche soziale Lage. Zum anderen gefährdet der wachsende Fachkräftemangel die wirtschaftliche Zugkraft Berlins. Für diesen Widerspruch braucht es eine politische Lösung.

Schulen und Betriebe Hand in Hand

Das Zusammenspiel von „Schule – Ausbildung – Arbeit“ muss für Berlin deswegen neu gedacht werden. Die biographischen Lebensabschnitte müssen stärker miteinander verknüpft werden und Angebote aufeinander aufbauen. Vorbereitung auf die berufliche Ausbildung muss Teil des Schulunterrichts sein: Kein Abschluss darf ohne Anschluss bleiben. Dies können Schulen und Betriebe nur gemeinsam schaffen. Gute Praktika sind die Basis für erste Erfahrungen im Betrieb und können ein Sprungbrett für die Zeit nach der Schule sein. Sie müssen ausreichend vorhanden und für alle offen sein, auch für jene, denen aufgrund sozialer Benachteiligung der Zugang zu qualifizierten Unternehmen versperrt bleibt. Potentiale können sich auch in der Ausbildung entfalten. Hierzu muss die pädagogische Qualität stimmen, sowohl im Betrieb und in der Berufsschule, als auch in der Kooperation zwischen beiden.

Arbeit muss Sicherheit geben

Wenn junge Menschen in die Arbeitswelt kommen, müssen sie von der Arbeit auch gut leben können. Arbeit, die sich lohnt und ein Lohn, der für das Leben reicht, vertreiben Ängste vor sozialem Abstieg. Arbeit ist die wichtigste Grundlage für ein würdiges Leben eines jeden Menschen. So sollten wir das Thema auch behandeln.

Zeitalter der Digitalisierung

Die Zeiten ändern sich. Kinder und Jugendliche wachsen heute anders auf als im 20. Jahrhundert. Das digitale Angebot an Informationen, Erfahrungen und Kontakten ist unüberschaubar. Dies zu verarbeiten und zu lernen, damit selbstbestimmt umzugehen ist eine große Herausforderung. Im Zeitalter der Digitalisierung heißt Aufwachsen neue Anforderungen an das Lernen in der Schule und in der Berufsausbildung. Die Digitalisierung der Bildung braucht pädagogische Innovation und technische Ausstattung in Schulen und Ausbildungsbetrieben, die auf ein lebenslanges und digitales Lernen vorbereiten.